Druckpunkt statt Massage: Wie die Myoreflextherapie am Bewegungsapparat arbeitet

Manuelle Therapie ist ein weites Feld. Zwischen klassischer Massage, manueller Medizin, Osteopathie und Faszientechniken liegen Welten, und für Patienten ist oft schwer erkennbar, was sich hinter einem Begriff eigentlich verbirgt. Die Myoreflextherapie gehört zu den Verfahren, deren Arbeitsweise sich erst erschließt, wenn man den Ansatzpunkt versteht.
Der Ansatzpunkt liegt am Muskelansatz
Die Methode wurde von Dr. med. Kurt Mosetter begründet und entwickelt sich seit etwa 1990. Sie beschreibt sich als manuelle Regulations- und Schmerztherapie.
Gearbeitet wird nicht flächig am Muskelbauch, sondern gezielt am Muskelansatz beziehungsweise am Muskel-Sehnen-Übergang. Über eine spezielle Druckpunktstimulation soll dort eine neuromuskuläre Regulation des gesamten Bewegungsapparats erzielt werden.
Der entscheidende Unterschied zur Vorstellung von „Verspannung lösen": Es geht nicht darum, Gewebe mechanisch weich zu bekommen. Die gesetzten Umstellungsreize sollen den Organismus dazu veranlassen, selbst eine funktionstüchtige, schmerzfreie Anatomie des Bewegungssystems wiederherzustellen. Beschwerdebilder können in der Folge abklingen. Der Körper ist die ausführende Instanz, nicht der Therapeut.
Warum das Meridiansystem eine Rolle spielt
Ein zweiter Zugang unterscheidet die Methode von rein biomechanischen Verfahren: Über das Meridiansystem beansprucht die Myoreflextherapie einen Zugriff auf Körperfunktionen und Organe und versteht sich deshalb als ganzheitliche Behandlungsmethode zur Schmerzregulation.
Das ist der Punkt, an dem die Herkunft der Methode sichtbar wird. Als integrative und ganzheitlich orientierte Therapieform verbindet sie Erfahrungen und Einsichten alter Kulturen, Ayurveda und Tibetische Medizin, mit Ergebnissen der modernen Physik und der aktuellen Hochschulmedizin. Scheinbar fremde Elemente sehr unterschiedlicher Denkmodelle verflechten sich zu einem vielschichtigen Handlungs- und Therapiemodell.
Die vier Eckpfeiler
Die Methode benennt vier Fundamente, auf denen die Befundung aufsetzt:
- Funktionelle Anatomie und Orthopädie: wo setzt welcher Muskel an, welche Kette hängt daran
- Die individuelle Schmerzbiografie: welche Verletzungen, Operationen, Fehlbelastungen und Kompensationen hat dieser Körper hinter sich
- Biochemie und Neurobiochemie: in welchem Stoffwechselzustand arbeitet das System
- Physik und Biokinematik: welche Kräfte wirken tatsächlich, und wo werden sie umgeleitet
Besonders der zweite Punkt verändert die Praxis. Ein Sprunggelenk, das vor Jahren umgeknickt ist, hinterlässt oft eine Ausweichbewegung, die der Körper dauerhaft kompensiert. Der Preis dieser Kompensation wird nicht am Sprunggelenk fällig, sondern weiter oben: im Knie, in der Hüfte, im unteren Rücken, gelegentlich im Nacken. Wer nur dort behandelt, wo es weh tut, arbeitet gegen ein System, das gute Gründe für sein Verhalten hat.
Der aktive Teil: Kraft in der Dehnung
Manuelle Arbeit ohne aktiven Anteil hält selten lange. Aus derselben Schule stammt deshalb KiD (Kraft in der Dehnung) nach Dr. med. Kurt Mosetter.
Die Ausgangsfrage ist die alte Dehndebatte: Studien liefern widersprüchliche Ergebnisse, unbestritten bleibt aber, dass nachhaltige Stabilität durch gezielte Kräftigung entsteht. Die eigentliche Frage lautet daher nicht, ob gedehnt werden soll, sondern wie Kräftigung und Dehnung intelligent kombiniert werden.
Die höchste Wirksamkeit wird dort gesehen, wo Kräftigung aus der Dehnung heraus erfolgt, gegen gezielten Widerstand. Mehrere Muskelgruppen werden gleichzeitig in funktionellen Bewegungsketten aktiviert, nicht isoliert, sondern in alltagsnahen Bewegungsmustern. Entscheidend sind dabei:
- optimale Bewegungsumfänge (Range of Motion)
- die Aktivierung von Muskel- und Gegenspielerketten
- kontrollierte Kräftigung aus verlängerten Positionen
- Training gegen Widerstand: Schwerkraft, Band oder manuelle Führung
Wird Muskulatur dagegen überwiegend im mittleren Bewegungsbereich trainiert oder in verkürzten Positionen belastet, entstehen Dysbalancen. Stabilität soll nicht durch Spannung entstehen, sondern durch koordinierte Kraftentfaltung im gesamten System.
Faszien und Matrix: der ExtraZell
Ergänzend kommt das Therapiegerät ExtraZell zum Einsatz, das auf Regulierung, Entgiftung und Entschlackung in den Faszien und der intrazellulären Matrix abzielt.
Der Hintergrund: Durch Stress, belastende Ernährung oder mangelnde und falsche Bewegung können sich Stoffe im Bindegewebe ansammeln, die sich nur schwer von allein abtransportieren lassen. Die Folge sind verklebte und schmerzhafte Faszien. Die Arbeit mit dem Gerät soll dem Körper diesen Abtransport ermöglichen und eine Regulation in Gang setzen.
Wo die Methode angeboten wird
Auf Mallorca arbeitet das MIEZ Longevity Institute mit der Myoreflextherapie als methodischem Kern, an zwei Standorten, in Palma in der Avinguda Mèxic 15 (montags bis mittwochs) und in Sineu im Inselinneren.
Behandelt wird von Pascal Miez, Heilpraktiker sowie Physio- und Myoreflextherapeut, der die manuelle Arbeit seit Jahren mit Bewegungssteuerung (KiD- und Galileo-Training) verbindet und zusätzlich über fundiertes Wissen in Akupunktur sowie Erfahrung aus dem Leistungsturnen verfügt.
Eine realistische Einordnung
Die Myoreflextherapie ist eine Regulationstherapie. Sie arbeitet mit der Anpassungsfähigkeit des Nervensystems, und wie stark ein Organismus darauf antwortet, ist individuell verschieden. Seriöse Aussagen über Verlauf und Ergebnis lassen sich vor einer Befundung nicht treffen. Wer anderes verspricht, sollte einen skeptisch machen.
Planbar ist der Rahmen: ein ausführliches Erstgespräch, in dem die Schmerzbiografie tatsächlich erhoben wird, eine manuelle Befundung und ein daraus abgeleitetes Vorgehen, das die aktiven Anteile von Beginn an mitdenkt.
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