Atemtherapie: Wenn Physiotherapie die Atmung zum Thema macht
Atemtherapie ist ein Teil der Physiotherapie, der wenig bekannt ist und dennoch viele Menschen betrifft: bei chronischen Lungenerkrankungen, nach Operationen an Brustkorb oder Bauch, bei Erkrankungen mit zähem Sekret, nach längerer Liegezeit und in der Genesung nach schweren Infekten. Sie arbeitet daran, das Atmen zu erleichtern, Sekret zu lösen, Belastbarkeit aufzubauen und Atemnot handhabbar zu machen.
Warum Atmung physiotherapeutisch behandelbar ist
Atmung ist Bewegung. Beteiligt sind Zwerchfell, Muskulatur zwischen den Rippen, Hilfsmuskulatur an Hals und Schultern sowie die Beweglichkeit von Brustkorb und Wirbelsäule. All das lässt sich untersuchen und beeinflussen.
Hinzu kommt das Verhalten. Wer Atemnot erlebt, atmet oft schneller und flacher, spannt an, gerät in Sorge und dadurch weiter in Atemnot. Dieser Kreislauf lässt sich durchbrechen, indem Techniken erlernt werden, die in genau diesem Moment helfen.
Typische Inhalte
Was gearbeitet wird, hängt von der Erkrankung ab.
- Techniken zur Sekretlösung und zum erleichterten Abhusten
- Atemerleichternde Stellungen für Situationen mit Atemnot
- Atemtechniken, die den Ausatemweg offen halten
- Beweglichkeit von Brustkorb und Wirbelsäule
- Kraft und Ausdauer, weil Belastbarkeit Atemnot im Alltag verringert
- Einteilung von Kraft und Tempo im Tagesablauf
Nach Operationen kommt hinzu, die Belüftung der Lunge zu unterstützen und das Abhusten trotz Schmerzen zu ermöglichen, oft mit Techniken, die die Wunde schützen. Das ist unangenehm, aber wichtig, weil unbelüftete Bereiche und zurückgehaltenes Sekret Komplikationen begünstigen.
Der Umgang mit Atemnot
Atemnot macht Angst, und Angst verstärkt Atemnot. Deshalb ist ein zentraler Teil, Sicherheit zurückzugewinnen: eine Stellung zu kennen, die hilft, eine Atemtechnik zu beherrschen, die den Ausatem erleichtert, und zu wissen, dass die Situation vorübergeht.
Gleichzeitig ist Ehrlichkeit nötig. Nicht jede Atemnot ist harmlos. Plötzlich auftretende starke Atemnot, Atemnot mit Brustschmerz, mit Blaufärbung der Lippen, mit Bewusstseinstrübung, mit Bluthusten oder in Verbindung mit einer geschwollenen, schmerzhaften Wade ist ein Notfall. Dann gilt der Notruf. Auch eine über Wochen zunehmende Atemnot oder ein neu aufgetretener anhaltender Husten gehören ärztlich abgeklärt, bevor trainiert wird.
Bewegung trotz Lungenerkrankung
Ein verbreiteter Kreislauf bei chronischen Lungenerkrankungen sieht so aus: Belastung führt zu Atemnot, Atemnot führt zu Vermeidung, Vermeidung führt zu Kraftverlust, Kraftverlust führt dazu, dass schon geringere Belastung Atemnot auslöst. Dieser Kreislauf ist der eigentliche Gegner.
Ihn zu durchbrechen ist möglich, aber nur mit sorgfältiger Dosierung und Begleitung. Es geht nicht darum, sich an Grenzen zu bringen, sondern darum, überhaupt und regelmäßig in Bewegung zu kommen. Über Wochen verändert sich dadurch, wie viel Sie tun können, bevor Atemnot einsetzt.
Was Sie zu Hause tun
Wie bei jeder Physiotherapie ist der Anteil zu Hause entscheidend. Techniken zur Sekretlösung wirken, wenn sie regelmäßig angewandt werden, nicht nur im Termin. Bewegung wirkt, wenn sie zur Gewohnheit wird. Und Hilfsmittel, falls verordnet, wirken, wenn sie korrekt benutzt werden.
Lassen Sie sich zeigen, wie es geht, und fragen Sie nach, wenn etwas nicht klappt. Falsch angewendete Techniken sind anstrengend und bringen wenig.
Geräte und Hilfsmittel
Bei manchen Erkrankungen kommen kleine Geräte zum Einsatz, die das Ausatmen gegen einen Widerstand ermöglichen und dabei helfen, festsitzendes Sekret zu lösen. Sie sind einfach in der Anwendung, aber nur dann wirksam, wenn Technik, Haltung und Ablauf stimmen. Deshalb gehört eine Einweisung dazu, und deshalb ist die Frage berechtigt, ob so ein Gerät für Sie überhaupt geeignet ist.
Ebenso wichtig ist die Reinigung, weil feuchte Geräte ein Ort für Keime sind. Lassen Sie sich zeigen, wie oft und womit gereinigt wird. Und melden Sie sich, wenn Sekret plötzlich anders aussieht, wenn Fieber dazukommt oder wenn die Atemnot zunimmt. Das gehört ärztlich beurteilt und nicht mit mehr Technik beantwortet.
Fazit
Physiotherapeutische Atemtherapie erleichtert das Atmen, unterstützt die Sekretlösung, baut Belastbarkeit auf und gibt Werkzeuge für Momente der Atemnot. Sie lebt von regelmäßiger Anwendung im Alltag. Bei plötzlicher starker Atemnot, Brustschmerz, Bluthusten oder Blaufärbung gilt der Notruf, bei zunehmender Atemnot die ärztliche Abklärung.